Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

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20. August 2021 bis 20. Februar 2022
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Pest. Eine Seuche verändert die Welt

Kaum eine Krankheit hat bis heute solche Spuren in der abendländischen Kultur hinterlassen und das kulturelle Gedächtnis Europas so tief geprägt wie die Pest. In der neuen Sonderausstellung gehen wir der Pest auf den Grund.

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Die Highlights der Sonderausstellung

Ganz besondere Highlights haben ihren Weg nach Wittenberg in unserer aktuelle Sonderausstellung "Pest. Eine Seuche verändert die Welt" gefunden. In den nächsten Wochen stellen wir an dieser Stelle einige Exemplare vor.

Um die Ausstellungsstücke in ihrer vollen Pracht sehen zu können, bitte zum Vergrößern auf das jeweilige Bild klicken.

Pestschinken

Nach der ersten verheerenden Welle von 1347 bis 1352 trat die Pest immer wieder in mehr oder weniger starken weiteren Wellen bis ins 18. Jahrhundert in Europa auf. Allerdings waren diese Wellen lokal und zeitlich nicht vorhersehbar. Manche Städte blieben jahrhundertelang verschont, in anderen wütete die Seuche dafür umso häufiger. Da naturwissenschaftliche Erklärungsansätze weitgehend fehlten, versuchten sich die Zeitgenossen das sporadische Auftreten der Pest durch das Wirken übernatürlicher Kräfte herzuleiten. Das zeigt sich unter anderem auch im Auftauchen der Seuche in sagenhaften Erzählungen. So findet sich oftmals das Motiv des Einfangens des Pesthauchs, den man sich als blaue Funken, Lichter oder Wolken vorstellte. In den Erzählungen wird er von findigen Zeitgenossen in Astlöcher oder andere Gefäße gebannt, dann aber versehentlich auch wieder freigelassen. So versuchte man sich das plötzliche Auftreten und Ende von Pestwellen zu erklären.

Im bis heute erhaltenen „Pestschinken“ von Friesoythe (bei Oldenburg) verbindet sich das Sagenmotiv auch tatsächlich einmal mit einem konkreten Gegenstand: Der Sage nach habe ein Friesoyther Bürger die Pest in den Schinken gebannt und damit die Stadt bis heute vor der Seuche geschützt. Tatsächlich weist der durch Rauch mumifizierte Schinken ein hohes Alter auf: Radiokarbondatierungen deuten auf eine Entstehung im 17. Jahrhundert. Der Schinken stammt somit auch wirklich aus einer Zeit, in der das Umland Friesoythes von der Pest heimgesucht wurde.

Pestbakterium "Yersinia Pestis"

Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Gerade einmal ein bis drei Tausendstel Millimeter groß, ohne Fortbewegungsorgane und ohne Wirtstier nur kurz überlebensfähig - und doch ist es verantwortlich für viele Millionen von Toten: das Pestbakterium. Seit 1970 heißt es Yersinia pestis, benannt nach seinem Entdecker Alexandre Yersin, der es 1894 erstmals beschrieb. Es kommt normalerweise im Blut von Nagetieren vor, etwa Rennmäusen, Murmeltieren und Eichhörnchen. Am bekanntesten ist seine Verbindung zur Schwarzen Ratte. Die in ihrem Fell lebenden Flöhe nehmen den Pestbazillus auf und geben ihn an andere Tiere weiter. Auf den Menschen gehen die Rattenflöhe nur im Notfall, wenn keine Ratten als Wirte zur Verfügung stehen, dann aber mit fatalen Folgen: Im menschlichen Blut lösen sie die Beulen- und die Lungenpest aus. Bei ersterer treten nach einer Inkubationszeit von 1-10 Tagen Fieber, Kopfschmerzen, Schwäche und die typischen beulenförmigen Schwellungen der Lymphdrüsen an Leiste, Achseln oder am Hals auf. Unbehandelt führt sie in mehr als der Hälfte der Fälle zum Tod. Schlimmer noch ist jedoch die Lungenpest, die sich aus der Beulenpest entwickeln kann. Hier beträgt die Inkubationszeit nur wenige Stunden, sie ist direkt von Mensch zu Mensch über die Atemwege übertragbar und endet unbehandelt fast immer tödlich.

Von der Bakterienkultur in der Wittenberger Ausstellung geht zum Glück keine Gefahr mehr aus – die Bazillen sind bereits abgetötet.