Stadtkirche St. Marien, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Die Stadtkirche St. Marien ist unweit des Marktes inmitten der Wittenberger Altstadt gelegen. Schon von weitem sichtbar bilden die beiden mächtigen Türme einen Orientierungspunkt und bestimmen die Stadtsilhouette. Martin Luther wirkte hier seit 1512 als Prediger. Bis an sein Lebensende hielt er hier zahllose Predigten. Luthers Predigt gegen den Ablass, die für den Beginn der Reformation entscheidend war, begann hier.

Das Erscheinungsbild der Kirche wird wesentlich durch Architekturformen der Spätgotik geprägt. Der älteste erhaltene Teil, der zweischiffige Hochchor, wurde Ende des 13. Jahrhunderts an ein heute nicht mehr vorhandenes Kirchenschiff angebaut. Nach Osten findet er seinen Abschluss in einer geraden Chorwand mit einem Backsteinziergiebel. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die westliche Doppelturmanlage gebaut. Zwischen den Türmen befindet sich das Hauptportal, bekrönt von einem Rundfenster. Im Bogenfeld des Portals ist eine thronende Maria als Himmelskönigin mit dem Christuskind dargestellt.

Der Großteil der Kunstwerke stammt aus der Reformationszeit. Das auffälligste Stück ist der Hauptaltar, eine Arbeit Lucas Cranachs d. Ä. und d. J., der in seiner Ikonographie stark von der reformatorischen Theologie Luthers beeinflusst ist. Zahlreiche Epitaphien stammen ebenfalls aus der Cranach-Werkstatt.

Geschichte

In Wittenberg begann das Wirken des jungen Theologen Martin Luther, hier hielt er seine ersten öffentlichen Predigten. Seit 1512 hatte er die Professur für Bibelauslegung an der Universität inne. Da zu den Aufgaben der Theologieprofessoren auch das Predigen gehörte, ist damit zu rechnen, dass er seit dieser Zeit gelegentlich in der Stadtkirche predigte. Erste sicher datierte Predigten von ihm sind aus dem Jahr 1514 überliefert. 1514/5 erhielt er vom Rat der Stadt den Auftrag zur ständigen Verwaltung dieses Predigtamtes. Zeit seines Lebens, über 30 Jahre, hatte Luther diese Stellung inne.

Die Stadtkirche erfuhr, wie die meisten kontinuierlich für religiöse Zwecke genutzten Gebäude, eine Reihe von Änderungen aus liturgischen, religiösen etc. Erfordernissen. Die mehrere Jahrhunderte umfassende Baugeschichte ist noch heute in den unterschiedlichen Bauabschnitten ablesbar. Aus dem Ende des 13. Jahrhunderts stammt der heutige Altarraum, im 14. Jahrhundert sind das spätgotische dreischiffige Langhaus dazugekommen und das Doppelturmwerk, das 1556/1557 seine heutigen Turmhauben bekommen hat. 1810 begann ein ausführlicher Umbau des Innenraumes durch den italienischen Architekten Carlo Ignazio Pozzi.

In den Jahren 2012-2016 wurde die Stadtkirche generalsaniert.

Bedeutung

In der Reihe der Ereignis- und Memorialorte der Reformation hat die Stadtkirche Wittenbergs einen hohen Stellenwert. Sie kann mit Recht als ein entscheidender Ausgangspunkt der Reformation betrachtet werden und ist bis heute untrennbar mit dem Namen Martin Luthers verbunden.

Der Kirchenbau steht stellvertretend für die Bedeutung der Bürger und Gläubigen, der unverzichtbaren Rezipienten der Ideen der Reformation. Ohne Mut und Reformwillen der Bürger wäre die Reformation nicht zu einer weltweiten Bewegung geworden.

Zudem war sie einer der Hauptwirkungsorte Martin Luthers: Aus den präzise überlieferten Berichten von Augenzeugen und Zeitgenossen ist das Geschehen bis heute nachvollziehbar. So kann bis auf die Stunde genau nachgewiesen werden, wann Luther in dieser Kirche predigte, wo er stand und welche Themen er behandelte. Weit mehr als die Hälfte der über 2000 erhaltenen Predigten hielt Luther in der Wittenberger Stadtkirche. Hier wurde der Gottesdienst erstmals in deutscher Sprache gefeiert und das Abendmahl erstmals ‚in beiderlei Gestalt‘, mit Brot und Wein, an die Gemeinde ausgeteilt.

Kontakt:

Evangelische Stadtkirchengemeinde Wittenberg
Büro der Stadtkirchengemeinde
Jüdenstraße 36
06886 Lutherstadt Wittenberg

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