Schlosskirche, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Die Schlosskirche, eine lange Basilika mit einer östlichen Apsis, ist ein typisches Beispiel für eine deutsche Hallenkirche im spätgotischen Stil. Sie beherbergt bis heute die unversehrten Grabstätten der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon und der Kurfürsten Friedrich und Johann. Das Thesenportal wird als symbolischer Ausgangspunkt der Reformation hoch geachtet. Auch hinsichtlich ihrer Architektur und Ausstattung handelt es sich um eine der bedeutendsten Residenzkapellen der Zeit überhaupt. Als solche ist sie ein herausragendes Zeugnis des architektonischen und spirituellen Milieus der Reformation.

Am westlichen Ende der Wittenberger Altstadt erhebt sich – mächtig über die flachen Elbauen ragend – die Dreiflügelanlage des Schlosses. Schlank ragt der Turm der Schlosskirche über den festungsartigen Komplex hinaus und markiert zugleich die Nordwestecke des Schlosses. Die Kirche ist als Nordflügel direkt in die Schlossanlage integriert. Ihre Nordseite liegt in der Flucht der Schlossstraße und öffnet sich mit zwei Portalen zur Stadt.

Die Kirche diente als Kirche des Residenzschlosses der Herzöge von Sachsen-Wittenberg auch der Wittenberger Universität. Sie fungierte als Grablege für Herzöge von Sachsen-Wittenberg und die Hauptakteure der Reformation: Martin Luther und Philipp Melanchthon. Vor allem aber fand hier, am Portal der Kirche, der weltberühmte Thesenanschlag statt.

Geschichte

Im Jahr 1485 erhob Kurfürst Friedrich III. Wittenberg zu seiner Residenz. Drei Jahre später begann der Abbruch der alten Askanierburg und daran anschließend der Neubau eines der stattlichsten mitteldeutschen Renaissanceschlösser. An der Stelle der alten Allerheiligenkapelle errichtete er eine spätgotische Saalkirche, die zugleich als Schlosskapelle diente. 1503 geweiht, war sie ab 1507 Kirche der Wittenberger Universität.

Am 31. Oktober 1517 fand hier das Ereignis statt, welches bis heute als Beginn der Reformation gilt: Luthers Thesenanschlag. In seinen 95 Thesen entwarf Luther eine theologische Ablasskritik, mit der er zur gelehrten Disputation aufrief. Als Symboldatum war und ist der Thesenanschlag hoch umstritten: Manche bezweifeln, dass er überhaupt stattgefunden habe, und viele gehen davon aus, dass es Luther mit den Thesen noch gar nicht um eine Grundsatzkritik der Kirche ging. Die Thesen enthalten allerdings durchaus Ansätze der später von Luther ausgearbeiteten reformatorischen Lehre. Und durch neue Quellenfunde spricht inzwischen wieder einiges dafür, dass Luther die Thesen tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlagen lassen hat. Jedenfalls gelten Luthers Thesen als Auslöser der Reformation. Nach seinem Tod am 18. Februar 1546 wurde Luther in der Schlosskirche bestattet.

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Schlosskirche als zentrales Reformationsdenkmal angesehen, und Schinkel wurde beauftragt, eine entsprechende bauliche Konzeption vorzubereiten. Er schlug vor, die Kirche in ihrer spätgotischen Form zu restaurieren. Obwohl sein Vorschlag nicht angenommen wurde, ist sein Bericht wichtig, da er hier das Konzept einer „Erhaltung aller Denkmäler und Alterthümer unseres Landes“ verkündete, was als Meilenstein auf dem Gebiet der Denkmalpflege angesehen wird. 1883 begann ein großangelegter Wiederaufbau und eine Restaurierung unter der Aufsicht des Architekten Friedrich Adler. Dies umfasste erhebliche Erneuerungsarbeiten und eine vollständige Neugestaltung des Innenbereichs, mit dem erklärten Ziel, ein Denkmal für die gesamte Reformation zu schaffen. In ihrem Zusammenklang ist die Schlosskirche ein Sinnbild der staatlichen Lutherverehrung im wilhelminischen Preußen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bedeutung

Als Ort des Thesenanschlags ist die Schlosskirche wichtigster Memorialort der evangelischen Christen. Unabhängig von der historischen und symbolischen Bedeutung des Thesenanschlags, hat sich die Vorstellung, dass Martin Luther am 31. Oktober 1517 die ‚95 Thesen gegen den Ablass‘ an das Nordportal der Schlosskirche nagelte, tief ins kollektive Gedächtnis gegraben; hier durch und durch die Tatsache, dass er – wie auch Philipp Melanchthon – hier begraben liegt, gilt die Schlosskirche als eine der zentralen ‚Lebensstationen Luthers‘. Durch den Memorialkult wurde der Thesenanschlag zum eigentlichen Beginn der Reformation, an deren Ende dann ein evangelisches Kirchenwesen neben dem römisch-katholischen stand.

Kontakt:

Besucherzentrum der Schlosskirche
Schlossplatz 1
06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel. +49(0)3491402585
schlosskirche@kirche-wittenberg.de
http://www.schlosskirche-wittenberg.de