Melanchthonhaus, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Das Melanchthonhaus in Wittenberg ist unweit des Collegium Augusteum und des Lutherhauses an der Collegienstraße, einer der beiden Hauptstraßen der Wittenberger Altstadt, gelegen. Das dreigeschossige Gebäude wurde im Jahr 1536 durch Kurfürst Johann Friedrich als typisches Renaissance-Bürgerhaus errichtet und ist ein architektonisches Kleinod. Das Renaissancebauwerk mit dem markanten Giebel gilt als eines der schönsten Häuser der Stadt.

Johann Friedrich wollte mit dem Bau Philipp Melanchthon, den „Lehrer Deutschlands“ und neben Martin Luther wichtigsten Protagonisten der Wittenberger Reformation, an seine Universität binden. Das Haus bot Raum für Melanchthons Familie und für Studenten.

Das eher schmale Gebäude wird über drei Wohnetagen von einem dreizonigen Rundbogenstaffelgiebel bekrönt. Den Eingang bildet ein rundbogiges Sitznischenportal. Hinter dem Haus lädt ein Garten zum Verweilen ein. Von 2010 bis Anfang 2013 wurde das Haus instand gesetzt und durch einen modernen Neubau erweitert. Mit der Baumaßnahme ist es gelungen, das Denkmal von Funktionen wie Kasse, Museumsshop sowie Sanitär- und Technikanlagen zu befreien. Außerdem konnte die Ausstellungsfläche vergrößert werden, und die Besucher des Hauses haben nun erstmals die Möglichkeit, das Melanchthonhaus in einem weitgehend barrierefreien Rundgang zu erkunden.

Geschichte

Philipp Melanchthon wohnte seit seiner Ankunft in Wittenberg 1518 auf dem Grundstück in der heutigen Collegienstraße 60. Ursprünglich lebte er dort in einem schlichten Fachwerkhaus, zuerst als Junggeselle, ab 1520 dann zusammen mit seiner Frau. Der sächsische Kurfürst Johann Friedrich hatte erkannt, dass er einem der wichtigsten Professoren seiner Universität eine ordentliche Bleibe bieten musste, um ihn in der Stadt und damit an der Hochschule zu halten. 1535 erteilte der Kurfürst den Auftrag für ein neues Haus, für dessen Bau er 500 Gulden beisteuerte, weitere 250 Gulden kamen von der Universität.

1536 wurde mit den Arbeiten begonnen, drei Jahre später war das Haus fertig. Der planende Baumeister ist bis heute unbekannt. Er beherrschte jedenfalls die damals moderne architektonische Formensprache, die sich an italienischen Vorbildern orientierte. Ähnliche Giebelaufsätze in Rundbogenform und halbrund geschlossene Portale wie am Melanchthonhaus entstanden wenig früher oder gleichzeitig beispielsweise in Dresden, Halle und Torgau.

Das neue Heim bot Familie Melanchthon viel Platz. 1556 erhielt das Haus einen Anschluss an das alte Jungfernröhrwasser. Nach Melanchthons Tod diente das Haus zunächst weiter als Professorenwohnung. Später bezogen Handwerker das Haus. Über die Jahrhunderte haben alle Bewohner nur wenige bauliche Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen. Um 1620 konnte der Torweg hinzugekauft und an der Straßenseite überbaut werden. Etwa um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert wurde das Treppenhaus an die heutige Stelle verlegt. Insgesamt kann das Melanchthonhaus aber als die „authentischste“ aller Reformationsgedenkstätten in Wittenberg bezeichnet werden.

1897 wurde das Melanchthonhaus anlässlich des 400. Geburtstags Melanchthons umfassend restauriert. 1954, als das Haus der Gemeinde übergeben wurde, unterzog man es einer großangelegten Kampagne in Übereinstimmung mit strenger moderner Konservierungspraxis. 1967 wurde es gemeinsam mit dem Renaissancegarten hinter dem Haus als Melanchthonmemorialmuseum eröffnet. Zum 500. Geburtstag des Reformators und Humanisten im Jahr 1997 wie auch 2010-2013 wurde das Gebäude renoviert.

Bedeutung

Der einzigartige Wert des Melanchthonhauses beruht wesentlich auf der Tatsache, dass es als Gelehrtenhaus speziell für einen der Hauptreformatoren, Philipp Melanchthon, konzipiert wurde. Mithin bezeugt es das soziale, wissenschaftliche, wirtschaftliche und architektonische Milieu der Reformation. Die innere Anordnung der Räume ist original, mit Melanchthons Studierstube im ersten Obergeschoss; im zweiten Obergeschoss befindet sich ein großer Raum, der zur Unterbringung von Studenten genutzt wurde, bekannt als ‚Scholarenzimmer‘. Das Haus bewahrt viel vom Charakter des 16. Jahrhunderts, da seine ursprüngliche Erscheinung seit jener Zeit praktisch unverändert geblieben ist.

Luther und Melanchthon sind untrennbare Protagonisten des umfänglichen Reformationsgedankens – was die Taten, Schriften und Ikonografie der ganzen Reformationsbildwelt bezeugen. Obwohl das Haus seit Melanchthons Tod ständig als Wohnhaus genutzt wurde, haben alle Besitzer den Wert des Hauses als Erinnerungsstätte geachtet und keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen; ab dem frühen 19. Jahrhundert wurde es baulich bewusst als Memorialstätte inszeniert.

Kontakt:

Melanchthonhaus
Collegienstraße 60
06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel. +49(0)3491-4203110
info@martinluther.de
www.martinluther.de