Luthers Sterbehaus, Lutherstadt Eisleben

Ort

Martin Luther hatte lebenslang enge Kontakte zur Grafschaft Mansfeld. Er reiste mehrfach in seine Geburtsstadt Eisleben, um in die Geschicke der Stadt einzugreifen. Auf seiner letzten Reise, die der Versöhnung der zerstrittenen Landesherren diente, starb der Reformator am 18. Februar 1546 dort.

Oberhalb des Eisleber Marktes befindet sich das Museum, das heute der Ort des Gedenkens an Luthers Tod ist. Es ist Bestandteil einer Gebäudegruppe, die nach dem Brand im Jahr 1498 an der Südseite des Andrteaskirchhofes neu errichtet worden war. Das Gebäude setzt sich aus dem zweigeschossigen Vorderhaus, einem langen Seitengebäude und einer Wendeltreppe im Winkel zwischen beiden Teilen zusammen. Durch seine aufwendige Portal- und Fenstergestaltung sowie die großflächigen Butzenscheibenfenster strahlt das Haus eine gewisse Vornehmheit aus.

Seit 1726 gilt das Gebäude als Luthers Sterbehaus. Von 2010 bis Anfang 2013 wurde das Denkmal behutsam instand gesetzt und durch einen modernen Neubau zu einem Museumsquartier erweitert. Die Besucher des Hauses haben nun erstmals die Möglichkeit, alle Räume des Sterbehauses in einem durchgehenden Rundgang zu erkunden.

Geschichte

Martin Luther starb auf seiner letzten Reise in die Grafschaft Mansfeld am 18. Februar 1546 in Eisleben. Wie neuere Forschungen bestätigen, ereilte der Tod den Reformator in dem „Haus, welches etwan Dr. Drachstetten gewesen, oben am Markt“. An dieser Stelle befindet sich heute das Hotel „Graf von Mansfeld“. Zur Verwirrung und zur Fehllokalisierung von Luthers Sterbeort führte später eine Textstelle in der Mansfelder Chronik des Cyriakus Spangenberg. Er beschrieb das Sterbehaus als ein Haus „so man hernach lange Zeit Doctor Drachstetts Haus genennet, darinnen 1546 Doctor Luther verschieden“. Zu Spangenbergs Zeit war noch allgemein bekannt, dass Luthers Sterbehaus am Markt einstmals Philipp Drachstedt gehört hatte. Später geriet diese Tatsache in Vergessenheit. Die Textstelle in der Spangenberg-Chronik wurde auf ein anderes Grundstück, das länger im Besitz der Familie Drachstedt war, bezogen. So kam es, dass Mitte des 18. Jahrhunderts das Haus am Andreaskirchplatz 7 als Luthers Sterbehaus identifiziert wurde. Dieses Gebäude befand sich im Besitz von Philipp Drachstedts Sohn Bartholomäus.

Die Bausubstanz des Hauses am Andreaskirchplatz ist in ihrem Kern lutherzeitlich. Neuere Forschungen haben ergeben, dass der erhaltene Dachstuhl 1514 errichtet wurde. Über die Jahrhunderte wurde die Fassade jedoch überformt und die Raumstruktur verändert.

1863 erwarb der preußische Fiskus das Gebäude. Der spätere Kaiser Wilhelm I. stiftete dafür 6.000 Mark aus seiner privaten Schatulle. Im „Sterbehaus Luthers“ sollte eine Gedenkstätte errichtet werden. In den folgenden 30 Jahren erhielt das Haus sein heutiges Gesicht. Zunächst veränderte Friedrich August Ritter in den Jahren 1863-1865 die biedermeierliche Fassade des Hauses im Stil der Neogotik und passte die Raumstruktur den Berichten über Luthers letzten Aufenthalt in Eisleben an. Im zweiten Schritt gestaltete der Nürnberger Kunstprofessor Friedrich Wilhelm Wanderer 1893/1894 das Interieur der in den Sterbeberichten genannten Räume.

Im Bewusstsein dieser Tradition bewahrt die Stiftung Luthergedenkstätten dieses Haus als Stätte des Gedenkens an Luthers Tod.

Bedeutung

Luthers Sterbehaus ist zentrales Zeugnis für die soziale, wirtschaftliche und geistige Basis der historischen Ereignisse der Reformation und der Reformationserinnerung. 1862 wurde es vom preußischen Staat als Gedenkstätte an den Reformator erworben. 1862–1868 wurde der Zustand um die Mitte des 16. Jahrhunderts wiederhergestellt in einer für die Zeit bemerkenswerten konservatorischen Arbeit. Die Räume wurden 1894 in einem historisierenden Stil ausgestattet und eingerichtet – exemplarisch für die denkmalpflegerische Vorgehensweise des späten 19. Jahrhunderts.

Das – im kollektiven Gedächtnis ebenfalls engstens mit der Biografie Luthers verbundene –  Haus dient seit 1726 bis heute dem Gedenken an Luthers Tod und wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. als Gedenkstätte inszeniert.

Kontakt:

Luthers Sterbehaus
Andreaskirchplatz 7
06295 Lutherstadt Eisleben

Tel. +49(0)3475-7147840
info@martinluther.de
www.martinluther.de