Lutherhaus, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Das Lutherhaus wurde als Augustiner-Kloster ab 1504 erbaut. Über 35 Jahre war es die Hauptwirkungsstätte Martin Luthers. Hier lebte er seit seiner Ankunft in Wittenberg im September 1508, zunächst als Mönch, ab 1525 dann zusammen mit seiner wachsenden Familie. Hier hatte er seine „reformatorische Entdeckung“, hier hielt er Vorlesungen vor Studenten aus ganz Europa, hier entstanden seine Schriften, die die Welt veränderten. Seit 1883 ist das Lutherhaus als Museum für Besucher geöffnet und heute das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Das Lutherhaus bildet den rückwärtigen Teil eines am östlichen Rand der Altstadt Wittenbergs gelegenen Gebäudekomplexes. Zusammen mit dem Vordergebäude – dem Collegium Augusteum –, einem Seitenflügel und einem 2015 errichteten Verbinderbau umschließt das Lutherhaus eine stimmungsvolle Hofanlage mit einem gotisierenden Brunnen und einem Denkmal Katharinas von Bora.

Das stattliche dreigeschossige Gebäude beruht in seiner Grundsubstanz auf dem Klosterbau vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Es schließt Reste einer Stadtmauer und des vormals hier gelegenen Heiliggeisthospitals mit ein. Als Museum beherbergt es heute die weltweit größte reformationsgeschichtliche Sammlung.

Geschichte

„Schwarzes Kloster“, „Hintergebäude des Augusteums“, „Lutherhalle“ und schließlich „Lutherhaus“; die verschiedenen Namen erzählen von der wechselvollen, über 500-jährigen Bau- und Nutzungsgeschichte des Lutherhauses Wittenberg. 1504 wurde mit dem Bau des als „Schwarzen Klosters“ bezeichneten Hauptgebäudes begonnen. Dessen Ausmaße entsprechen im Wesentlichen denen des heutigen Lutherhauses. Der Name spielt auf die Farbe der Kutten der Augustiner an. Luther lebte hier als Mönch ab 1508. Mit der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, Luther bewohnte das Haus zunächst allein weiter, ab 1525 dann zusammen mit seiner Frau bzw. seiner Familie. 1532 bekam er das Haus übereignet. Die Nutzung des Gebäudes als Wohnung für die Familie Luther zog weitreichende Umbau- und Erweiterungsbauten nach sich. Katharina von Bora schenkte ihrem Mann zu seinem 57. Geburtstag das Katharinenportal.

Nach Luthers Tod übernahm die Universität das Gebäude, die es zum kurfürstlichen Stipendiatenhaus umbaute. Mitte der 1580er Jahre entstanden der Westflügel und das Vorderhaus. Das zur Straße gelegene Vorderhaus erhielt, in Erinnerung an den Förderer der Universität, August I. von Sachsen, den Namen „Augusteum“.

1844 wurde Friedrich August Stüler mit der Instandsetzung des Hauses beauftragt. Nach seinen Plänen wurde das Haus über vier Jahrzehnte grundlegend erneuert. Im westlichen Erdgeschoss existierte ab 1834 bis 1937 eine Lutherschule. Einige Räume des ersten Obergeschosses mit der Lutherstube wurden 1883 zu einem öffentlich zugänglichen reformationsgeschichtlichen Museum. Ab 1911 wurden sukzessive größere Flächen des Hauses für die musealen Zwecke genutzt. Im Jahr 1983 folgt zum Lutherjubiläum und zum 100-jährigen Bestehen des als „Lutherhalle“ bezeichneten Museums eine grundlegende Überarbeitung.

Zuletzt wurde das Lutherhaus in den Jahren 2001 und 2002 umfassend erneuert und durch ein modernes Eingangsgebäude erweitert. Diese Baumaßnahme ist ein Beleg für einen respektvollen Umgang mit dem Weltkulturerbe einerseits und einem selbstbewussten Weiterschreiben der Geschichte mit einer modernen Formensprache andererseits. Mit der Neugestaltung des Hauses und der Dauerausstellung wurde das Museum von der missverständlichen Bezeichnung „Lutherhalle“ in „Lutherhaus“ umbenannt. Damit kommt besser zum Ausdruck, worum es an diesem einzigartigen Ort geht: um Martin Luther, den Menschen und sein Werk. Beides wäre ohne das Haus nicht denkbar.

Bedeutung

Als Sitz der Augustinereremiten und späteres Wohnhaus Martin Luthers ist das Lutherhaus ein zentrales materielles Zeugnis des architektonischen, wirtschaftlichen, sozialen, wissenschaftlichen und spirituellen Milieus, in dem die Reformation entstand und sich entwickelte. Besonderes Gewicht kommt hier der Lutherstube und dem Kaharinenportal als wichtigen Zeugnissen der zeittypischen Architektur zu: Bis in die Gegenwart haben sie ihre Gestalt fast unverändert bewahrt und vermitteln auf diese Weise einen Eindruck vom Leben der einstigen Bewohner. Das Gebäude enthält eine umfangreiche reformationgeschichtliche Sammlung, darunter Manuskripte, Inkunabeln, Bücher, Gemälde, Münzen und Medaillen.

Das Lutherhaus ist der authentische Ort, an dem Luther über dreißig Jahre lang lebte, arbeitete und mit Studenten sowie den anderen theologischen und weltlichen Protagonisten der Reformation kommunizierte. Hier wurden zentrale und überaus wichtige geistigen und geistlichen Grundlagen entwickelt, überdies ist es Ort zahlreicher denkwürdiger Gespräche, insbesondere der berühmten Tischreden.

Im 19. Jahrhundert wurde es zu einer Memorialstätte und einem reformationsgeschichtlichen Museum ausgebaut und inszeniert: Noch wesentlich früher setzte ein Memorialkult ein, sodass die Lutherstube nahezu unverändert überdauerte. Die Weiternutzung des Hauses als (theologische) Bildungsstätte stand in der Tradition und im Gedenken an Martin Luther und sein Wirken. Schließlich wurde es im 19. Jahrhundert als Memorialort und Museum inszeniert, worin sich die mit diesem Bau sehr deutlich ausgeprägte Memoria manifestierte.

Kontakt:

Lutherhaus
Collegienstraße 54
06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel. +49(0)3491-4203118
info@martinluther.de
www.martinluther.de