Veste Coburg

Ort

Wie keine andere Burganlage in Deutschland lässt die Veste Coburg in ihrer äußeren Gestalt die Entwicklung der Wehrtechnik im Burgenbau vom späten Mittelalter bis in die frühe Neuzeit sichtbar werden und dokumentiert damit zeichenhaft die wichtige Funktion der Burg in politischen und insbesondere in konfessionellen Auseinandersetzungen. Als Zufluchtsort für Luther während des Augsburger Reichstages repräsentiert sie den landesherrlichen Schutz in einer frühen Phase der Reformation. Die außergewöhnliche Bedeutung der Veste Coburg als Memorialort für die Reformation manifestiert sich in den erhaltenen Lutherzimmern und in dem historisierenden Neubau der Lutherkapelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Veste Coburg ist eine Ende des 12./ Anfang des 13. Jahrhunderts angelegte Ringburg. Sie steht auf einem Ausläufer des südlichen Thüringer Waldes in Franken. Ihre Entwicklung und Gestalt sind aber wesentlich durch ihre von 1353 bis 1918 währende Zugehörigkeit zu Kursachsen geprägt, dem Kernland der Reformation. Ihre nach allen Seiten weithin sichtbare, landschaftsprägende Silhouette („Fränkische Krone“) wird bestimmt durch das hohe Dach des spätmittelalterlichen Zeughauses, durch die drei Türme und die sich entlang der Ringmauer gruppierenden Bauten. Die Befestigungsanlagen mit äußerer Zwingermauer und deren markanten halbrunden Schalentürmen entstanden in der Zeit der Hussitenkriege um 1430 und lassen die Auswirkungen religionsgeschichtlicher Konflikte auf die Baugestalt der Burg sichtbar werden.

Die an der Stelle der früheren Schlosskapelle errichtete „Lutherkapelle“ mit ihrem neugotischen Bauschmuck im Inneren ist ein weiteres Zeugnis für die lebendige Kultur der Erinnerung an Luthers Aufenthalt auf der Veste Coburg als einem herausragenden Ort der Reformationszeit.

Geschichte

Die seit dem 11. Jahrhundert belegte Veste Coburg gelangte 1353 in den Besitz der Wettiner und erlangte infolge der Großen Wettiner Teilung 1485 einen Zuwachs an Bedeutung, da sie vom kursächsischen Hof regelmäßig genutzt wurde.

Von April bis Oktober 1530 logierte Martin Luther auf der Veste. Der Reformator war in Begleitung von Kurfürst Johann dem Beständigen auf dem Weg zum Augsburger Reichstag. Er wurde aber in der Veste, dem der Reichsstadt Augsburg am nächsten gelegenen Ort in Kursachsen, zurückgelassen, weil die Weiterreise den mit Reichsacht und Kirchenbann belegten Reformator in erhebliche Gefahr gebracht hätte. Die Veste diente dem Reformator als Schutz und zugleich als privilegierter Aufenthaltsort.

Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich die Burg zu einem zentralen Ort der Luther-Memoria. Vor allem Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha (1784-1844) verfolgte das Ziel, die Rolle der Veste bei der Förderung Martin Luthers und der Reformation in Erinnerung zu rufen und als musealen Repräsentations- und Erinnerungsort auch die historischen Sammlungen des Hauses vereinen und öffentlich zugänglich zu machen. Im 19. und im 20. Jahrhundert erfolgte jeweils eine Umgestaltung der Burg im Geist der Zeit. Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland ging die Veste Coburg in das Eigentum des Freistaates Bayern über. Umgestaltungen im Inneren einiger Bauten des westlichen Burghofes im Interesse einer optimalen Nutzung durch die Kunstsammlungen der Veste Coburg erfolgten in den 1960er Jahren.

Bedeutung

Die Veste Coburg stellt ein eindrucksvolles bauliches Zeugnis für das architektonische, politische, soziale und spirituelle Milieu, in dem sich die Reformation entwickelte, dar: Hier ist auf einzigartige Weise die zentrale Rolle der Burg in politischen und konfessionellen Auseinandersetzungen baulich fassbar, beispielsweise in der Anlegung der Hohen Bastei mit dem Ziel der Erhöhung der Wehrhaftigkeit der Burg. Die Wertschätzung der Burg in späterer Zeit als authentischer Lutherort führte zum Erhalt der Lutherstube, einer spätmittelalterlichen Bohlenstube mit Wohnfunktion und mithin wichtigem baulichen Zeugnis dieser Zeit, sowie der Einrichtung der Lutherkapelle; auch die umfassende historisierende Überformung der Burg entstand vor diesem Hintergrund.

Die Veste Coburg erinnert an eine Phase von besonderer reformationsgeschichtlicher Wichtigkeit. Die Verlesung der Confessio Augustana vor Kaiser Karl V. 1530 war der Versuch einer Verständigung beim Bemühen um die Reform der Kirche; der Text selbst bildet bis heute die wichtigste Bekenntnisgrundlage des Luthertums. Mit der Ablehnung durch den Kaiser wurde in der Geschichte der Reformation eine entscheidende Wende eingeleitet. Zudem gelten die während des Aufenthalts auf der Veste Coburg von Luther verschriftlichten Ideen bis heute als Meilensteine der Entwicklung der evangelischen Konfession. Noch im 16. Jahrhundert stellten sich bald nach Luthers Tod erste Besucher auf der Veste ein, die Luthers Wohnräume sehen wollten. Über die Jahrhunderte hinweg, verstärkt im 19. Jahrhundert, pflegte das Coburger Herzogshaus die Erinnerung an Luthers Verbindung mit der Veste, wovon die Einrichtung eines Reformatorenzimmers und die kontinuierlichen Bestrebungen zur Errichtung eines Lutherdenkmals zeugen.

Kontakt

Veste Coburg
Veste
96450 Coburg

Tel. +49(0) 9561-8790
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