Schloss, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Bereits 1489 unter Kurfürst Friedrich III. erbaut, entwickelte sich die landesfürstliche Residenz zu einem politischen wie geistigen Kraft- und Bollwerk der Reformation. Sie wurde maßgeblich durch die mächtigen Fürsten des Hauses Wettin unterstützt. Im Bau manifestiert sich der Herrschaftsanspruch der Kurfürsten.

In ihrer eindrucksvollen Geschlossenheit wurde die Wittenberger Schlossanlage an der südwestlichen Peripherie der mittelalterlichen Stadtbefestigung als bauliches Herrschaftszeichen im bisher vernachlässigten Wittenberg errichtet. Die Dreiflügelanlage stellt den Typus der ersten und modernsten deutschen Schlossbauten dar.

Durch die jüngsten Forschungen wurde die überragende Bedeutung des Wittenberger Schlosses in Einheit mit Schlosskirche und gesamtem Schlosshof für die mitteldeutsche Kunst-, Bau- und Religionsgeschichte neu definiert. Das Schloss war Wirkungsstätte der Protagonisten der Reformation, so von Martin Luther und Georg Spalatin. Das Schloss beherbergte bis zum Bau des Collegium Augusteum die Schloss- und Universitätsbibliothek. Noch heute bezeugt das Schloss den architektonischen Wandel vom Spätmittelalter zur Neuzeit und ist trotz vielfachen Umbaus ein authentischer Ort der Reformationsereignisse und des geistigen Aufbruchs in das Zeitalter der Renaissance mit europäischer Tragweite.

Geschichte

Der Bau des Schlosses war mit der Einwölbung der den Nordflügel darstellenden Schlosskirche um 1506/07 weitgehend abgeschlossen. Der zusammen mit der Schlosskirche seit 1996 in das Weltkulturerbe aufgenommene Kirchturm war ursprünglich als Wohnturm des Fürsten Johann des Beständigen elementarer Bestandteil des Schlosses. Die Stadt Wittenberg wurde durch diesen Bau zum Zentralort der sächsischen Herzöge und Kurfürsten, deren Wohnung zu einer kurfürstlichen Residenz. Die Residenz war mit einem religiösen Zentrum der katholischen Christenheit (Allerheiligenstift) verbunden.

Die weltgeschichtliche Einzigartigkeit der Wittenberger Kurfürstenresidenz resultiert aus der Bindung des Bauwerks mit dem Aufkommen der lutherischen Reformation. Macht (Schloss), Glaube (Kirche) und Lehre (Universität) wurden durch das Wirken der Kurfürsten und Martin Luthers verbunden. In Wittenberg formte Luther seine Kritik an der römischen Kirche und seine neue Theologie aus. Insbesondere Kurfürst Friedrich der Weise duldete, schützte und beförderte den kritischen Theologieprofessor seiner Universität. Das Wittenberger Schloss wurde so zum politischen Zentrum des frühen Protestantismus.

Im späten 19. Jahrhundert ließ das junge Wilhelminische Kaisertum die Kirche als Zeichen der neuen nationalen Erinnerungskultur und im Sinne einer Einheit des deutschen Protestantismus restaurieren.

Bedeutung

Das Wittenberger Schloss ist ausdrucksstarkes städtebauliches Zeugnis des Ausbaus der Stadt zu einem Residenzort der Wettiner unter Kurfürst Friedrich dem Weisen. Es ist das bauliche Symbol für den politischen Schutz der Reformation durch die ernestinische Politik und mithin ein bedeutendes Zeugnis des sozialen und politischen Milieus, in dem die Reformation ihre Wirkmächtigkeit entfalten konnte. Die Errichtungszeit des Renaissanceschlosses verläuft parallel zum Beginn der Reformation; entsprechend ist es ein bedeutendes geschichtliches, architektur- und stadtbaugeschichtliches Zeugnis der Reformation.

Das Wittenberger Schloss steht symbolisch für eines der politischen wie geistigen Kraft- und Bollwerke der Reformation, welche ohne die Unterstützung der mächtigen Fürsten des Hauses Wettin nicht möglich gewesen wäre. Der Bauherr Friedrich der Weise war Beschützer Martin Luthers; zugleich bot der Kurfürst den Anlass, der zur Reformation führte: Denn Luthers Thesenanschlag fand nicht zufällig am 31. Oktober statt, da am darauffolgenden Tag, Allerheiligen, die große Wallfahrt zum kurfürstlichen, im Schloss aufbewahrten Reliquienschatz gefeiert wurde. Ferner war im Schloss für Luther der Kanzler Georg Spalatin von Bedeutung, der als Diplomat und Gelehrter viel für die poltische Durchsetzung der Reformation leistete. Auch als Sitz der Universitätsbibliothek war das Schloss ein von den Reformatoren häufig aufgesuchter Ort. Mithin ist die Anlage aufs Engste mit der Biografie des Reformators und dem Werden der Reformation verknüpft.

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