Kirche St. Peter und Paul, Lutherstadt Eisleben

Ort

Die Kirche St. Peter und Paul prägt mit ihrem Turm die Stadtsilhouette von Eisleben, der Geburtsstadt Martin Luthers, maßgeblich. Als Taufkirche Luthers ist St. Peter und Paul seit Jahrhunderten untrennbar mit Luthers Person verbunden und steht als herausragendes Symbol für die lutherische Reformation. Ihre außergewöhnliche Bedeutung als Luther-Memorialstätte manifestiert sich in dem Taufstein, der Teile des Taufbeckens enthält, in dem Martin Luther getauft wurde.

Für den Kirchenbau der Region Mansfelder Land typisch ist der massive, als querrechteckige Riegel ausgebildete Turm, der die Kirche nach Westen abschirmt. Ebenfalls prägend für das Erscheinungsbild der Kirche ist das gewaltige, bis an das Kranzgesims des Turmes ragende, steile Dach der Langhaushalle. Das Innere des Kirchenraumes wird vom hallenartigen, lichtdurchfluteten Langhaus aus der Zeit um 1500 bestimmt.

Der konkrete Ort von Martin Luthers Taufe ist nicht überliefert. Möglicherweise wurde Luther 1483 in der Kapelle des 1474 fertig gestellten Turmes der Kirche St. Peter und Paul getauft. Liturgisch wahrscheinlicher ist, dass dieses Ereignis im Vorgängerbau unweit des heutigen Baukörpers stattfand. In der Memorialkultur der folgenden Jahrhunderte und bis heute aber gilt die Kirche St. Peter und Paul als die Taufkirche Martin Luthers. Der neben dem Taufbecken aufgestellte originale Taufstein Luthers verdeutlicht die besondere Beziehung der Kirche zu Luther.

Geschichte

Zur Zeit von Luthers Geburt und Taufe im Jahr 1483 stand eine Vorgängerkirche, die als St. Petri erstmals 1333 urkundlich erwähnt wurde. Bereits 1447 wurde mit dem Neubau der Kirche, zunächst in einem ersten Bauabschnitt mit dem Turm begonnen; dieser wurde 1474 fertiggestellt. Da der neue Westturm von außen nicht zugänglich war, kann angenommen werden, dass Martin Luther 1483 in der alten Kirche getauft wurde. Die Vorgängerkirche blieb jedenfalls mindestens bis zum Baubeginn des Langhauses 1486, eventuell auch bis zur Weihe des Chores der neuen Kirche, vollständig erhalten. Als Taufort Luthers ist die heutige Kirche St. Peter und Paul dennoch in das Gedächtnis der Menschen eingegangen und zählt deshalb zu den einzigartigen Memorialstätten der Reformation.

Schon früh setzte in der Kirche St. Peter und Paul eine außergewöhnliche Memorialkultur ein, wie die um 1586/87 unter der Orgel eingebaute, heute allerdings nicht mehr erhaltene Empore mit der Inschrift „zu Ehren des höchsten Gottes und zum Andenken an den in dieser Kirche getauften seligen Luther“ besagte. Drei Jahre zuvor war die Kirche bereits renoviert worden. Weitere Restaurierungen in den Jahren seit dem 18. Jahrhundert bis zuletzt 2014 bezeugen den hohen Stellenwert, den die Kirche als Ort der Taufe Luthers im Lauf der Geschichte einnimmt. Dies zeigt sich vor allem an den 2011/12 erfolgten Umbauarbeiten zum Zentrum Taufe. Die Gestaltung des Innenraumes als Themenkirche setzt wesentliche Aspekte lutherischer Tauftheolgie um und führt zu einem Dialog zwischen dem reformatorischen Zeugnis und dem eigenen Bezug zur Taufe.

Bedeutung

Die Pfarrkirche war das geistige Zentrum der südlichen Vorstadt, in der sich – wie die Familie Luther – vor allem Bergleute niederließen. Entsprechend ist sie ein zentrales Zeugnis für die Bedeutung Eislebens als Zentrum der Montanindustrie am Ende des Mittelalters. Als Luther getauft wurde, befand sich die Kirche im Bau; ihre Architektur und Ausstattung sind also tatsächliche Zeitgenossen Luthers und als solche wichtige materielle Zeugnisse für das architektonische Milieu der Reformation bzw. der unmittelbar vorausgehenden Zeit.

St. Peter und Paul gilt in der kollektiven Wahrnehmung als Martin Luthers Taufkirche und mithin als Ort eines biografischen Meilensteins dieses Protagonisten der Reformation. Für Martin Luther ist seine Taufe das wichtigste Ereignis, das er mit Eisleben verbindet. Die Taufe hat entscheidende Bedeutung im theologischen Denken Luthers und in der Theologie der Reformation: Mit ihr beginnt das Leben als Christenmensch. Sie ist das Zeichen der Gnade Gottes im Leben und im Tod. In schwierigen Zeiten erinnert sich Luther an seine Taufe in St.Petri zu Eisleben und ruft die Christen auf, sich so der Rechtfertigung durch den Glauben zu vergewissern. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich St. Petri noch zu Lebzeiten Luthers zu einem bzw. stellt bis heute einen der wichtigsten Memorialorte der Protestanten dar.

Kontakt

Kirchengemeinde St. Andreas-Nicolai-Petri
Andreaskirchplatz 11
06295 Lutherstadt Eisleben

Tel. +49(0)375-602229
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