Kirche St. Georg, Mansfeld

Ort

In der Stadtkirche St. Georg zu Mansfeld empfing Martin Luther seine ersten bleibenden Eindrücke vom kirchlichen Leben in einer Stadtgemeinde. Luther war als Dreizehnjähriger Zeuge der Stiftung von noch heute erhaltenen Altären, Altarretabeln und Glocken.

Die Kirche St. Georg erhebt sich etwa in der Mitte der Altstadt auf einem natürlichen Zwischenplateau als Teil eines angelegten Platzes und spielt daher eine stadtbildprägende Rolle. Am nördlichen und östlichen Rand des Kirchplatzes konzentrierten sich im 16. Jahrhundert die kirchlichen und schulischen Einrichtungen: An der östlichen Schmalseite befand sich die Dekanei, das Schulmeisterhaus und das Prädikantenhaus, an der Nordseite die Kaplanei sowie die Schule Martin Luthers.

Aus der Lebenszeit Luthers haben sich wertvolle Ausstattungsstücke in der Kirche erhalten. Sie sind wichtige Zeugnisse der frühen Reformationsgeschichte und liefern den historischen Kontext für die Entwicklung und das Wirken Luthers. Zu nennen ist hier vor allem das Relief des Kirchenpatrons Georg im Kampf gegen den Drachen (um 1520), welches über dem Hauptportal hing und zu den seltenen mittelalterlichen Bildtafeln gehört, die trotz einer Anbringung im Außenbereich in Holz ausgeführt wurden. Luther blieb zeitlebens dem Heiligen seiner Heimat, dem heiligen Georg, verbunden.

Geschichte

Bevor der dreizehnjährige Martin Luther im Frühjahr 1497 nach Magdeburg zog, um für ein Jahr an die dortige Lateinschule zu gehen, war er Zeuge des Neubaus der Georgskirche, die am 8. August 1497 geweiht wurde, der Stiftung von Altären und der Neuanschaffung von Altarretabeln und Glocken. Luther besuchte die städtische Trivialschule, deren Rektor mit dem Pfarrer zusammen den Chorgesang der Knaben in der Kirche organisierte.

Die Vollendung des Neubaus und die Weihe der Kirche erlebte Luther, der kurz zuvor seine Heimatstadt Mansfeld verlassen hatte, nicht vor Ort. Das gesamte Baugeschehen zuvor jedoch konnte er unmittelbar verfolgen.

Bereits ab dem 17. Jahrhundert erfolgten verschiedene Renovierungsmaßnahmen zum Gedenken an die Reformation. Im Vorfeld des Reformationsjubiläums 1617 wurde eine zweigeschossige Empore in das Langhaus eingefügt. Eine neue Kanzel ergänzt die Ausstattung seit 1620. Im Reformationsjahr 1817 sah man sich aus statischen Gründen gezwungen, das Dachwerk über dem Langhaus wie über den Ostteilen abzubrechen und durch flach geneigte Satteldächer zu ersetzen. Die umfassendste Restaurierung des Kirchenbaus erfolgte 1929/30. Neben der Dacherneuerung wurde damals aus Privatspenden auch eine neue Orgel angeschafft und Hauptaltar und Georgsrelief restauriert. Der Innenraum wurde neu verputzt. Bis heute ist St. Georg in Mansfeld ein bedeutender Memorialort der Reformation.

Bedeutung

Als Grablege der Grafen von Mansfeld-Hinterort stellt die Kirche St. Georg ein wichtiges Zeugnis des politischen und spirituellen Milieus der Reformation. 1497 geweiht stellt sie darüber hinaus ein wichtiges Zeugnis des architektonischen, in ihrer reichen Ausstattung des wirtschaftlichen und sozialen Milieus der Reformation dar. Bestimmte Ausstattungselemente stammen aus der Lebenszeit Luthers und bilden entsprechend herausragende materielle Bestandteile der Lebenswelt, die der Biografie Luthers ihre spezifische Prägung verleiht.

Die Kirche St. Georg ist aufs Engste mit der Biografie Luthers und seiner Familie verbunden: Sie war Ort der religiösen Praxis der Familie und von Martin Luther als Kind und prägte seine Biografie. Der kleine Luther sang hier nachweislich im Pfarrschulchor und versah wahrscheinlich Ministrantendienste. Auch während seines Studiums und später als Reformator weilte er hier mehrfach und predigte hier kurz vor seinem Lebensende. In der Kirche seiner Kindheit, seiner Heimatkirche, erwarb er eine erste und nachdrückliche Vorstellung von der Sakralarchitektur und vom liturgischen Handeln seiner Zeit. Darüber hinaus fand in St. Georg die erste Veranstaltung eines Luthergedenkens statt, die überliefert ist.

Kontakt

Kirchengemeinde St. Georg
Lutherstraße 7
06343 Mansfeld

Tel. +49(0)34782-909929
www.kirchenkreis-eisleben-soemmerda.de