Kirche St. Andreas, Lutherstadt Eisleben

Ort

Die Kirche St. Andreas stellt die größte und stattlichste Kirche in der Lutherstadt Eisleben dar und erhebt sich als die markanteste städtebauliche Dominante auf einer Anhöhe im Zentrum der Stadt westlich hinter dem spätgotischen Altstädter Rathaus und über dem Marktplatz. Sowohl der mächtige Nordturm – zugleich der höchste Kirchturm der Stadt – als auch die schlankeren Westtürme, die beidseitig das Eingangsportal umfassen, prägen die Silhouette der Stadt maßgeblich. Als letzte Predigtstätte Martin Luthers, als Wirkungsort des reformatorischen Predigers und Superintendenten Kaspar Güttel sowie als Grablege des Mansfelder Grafengeschlechts ist die Kirche St. Andreas in hohem Maße authentisches Zeugnis der Reformationsgeschichte.

Das äußere Erscheinungsbild der Kirche wird westseitig durch die schlanken Zwillingstürme mit oktogonalem Turmschaft und barocker Schweifhaube mit aufgesetzter Laterne geprägt. Das Innere des Kirchenraumes beeindruckt durch den hallenartigen Charakter des Langhauses. Das den Innenraum überspannende Gewölbe zeigt einen lebendigen gotischen Formenreichtum.

In der Kirche hat sich eine äußerst bemerkenswerte Ausstattung vor allem der Spätgotik und der Renaissance erhalten. Diese legt Zeugnis ab von den Umbrüchen in der Gesellschaft zur Zeit der Reformation und demonstriert zugleich den durch den Bergbau erhaltenen Wohlstand. An einem Pfeiler des Mittelschiffs hängt jene spätgotische, hölzerne Kanzel des frühen 16. Jahrhunderts, von der Martin Luther seine letzten vier Predigten hielt und die als sogenannte „Lutherkanzel“ berühmt ist.

Geschichte

An der Kirche St. Andreas lassen sich die Umbrüche von einer römisch-katholischen zu einer lutherischen Kirche hin nachzeichnen. St. Andreas ist mit dem Ringen um das Gelingen der Reformation auf das Engste verbunden. Auf Geheiß von Graf Albrecht VII. wurde Kaspar Güttel als Prediger und Superintendent der Kirche und Pfarrei St. Andreas berufen. An diesem Ort trug er maßgeblich zur weiteren Verbreitung des evangelischen Glaubens in Eisleben bei. Das Mansfelder Grafengeschlecht teilte sich in verschiedene Glaubenszweige: römisch-katholisch und reformatorisch. Am ausgehandelten Kompromiss, am selben Ort, aber zu unterschiedlichen Tageszeiten, katholischen und evangelischen Gottesdienst zu feiern, war auch Martin Luther beteiligt, der von den Mansfelder Grafen immer wieder als Berater angerufen wurde. Luther hielt seine letzten vier Predigten auf der hölzernen bemalten Kanzel, die im Kirchenschiff erhalten ist.

Ein umfassender Neubau der Kirche setzte ab dem 2. Viertel des 15. Jahrhunderts ein. Mehrere Altarweihen zwischen 1433 und 1483 sowie drei Ablassbriefe aus dem Jahr 1497 verweisen auf das Ende dieser Bauarbeiten. Ende des 15. Jahrhunderts wurden die beiden Nebenchöre angefügt. Stadtbrände im 15. und im 17. Jahrhundert ließen Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten notwendig werden. Im 19. Jahrhundert entfernte Ausstattungsstücke wie der Altarflügel, die Apostelfiguren von der Kanzel, das Taufbecken und mittelalterliche Plastiken wurden 1970 restauriert und wieder aufgestellt.

Bedeutung

In ihrer reichen Ausstattung bezeugt die Kirche St. Andreas den Wohlstand der Region und stellt mithin ein bedeutendes Zeugnis des wirtschaftlichen und sozialen Milieus der Reformation dar. Mit der ‚Lutherkanzel‘ hat sich ein mit der Biografie des Hauptreformators aufs Engste verbundenes materielles Zeugnis bis heute erhalten.

Nicht zuletzt in der Aufstellung der Bronzebüsten von Luther und Melanchthon, die anlässlich des 300-jährigen Reformationsjubiläums 1817 von Johann Gottfried Schadow nach Gemälden Cranachs gefertigt wurden, manifestiert sich die Wertschätzung der Reformation in dieser Kirche in materieller Hinsicht. Es handelt sich um die ersten Büsten der beiden Reformatoren für den öffentlichen Raum.

St. Andreas ist das authentisch-auratische Zentrum des kirchlichen Reformationsgedenkens in der Heimatregion Luthers. Hier hielt Luther seine vier letzten Predigten und zwei Einführungen von Pfarrern, hier wurde er nach seinem Tod aufgebahrt, ehe er über Halle (Saale) in die Schlosskirche nach Wittenberg überführt wurde. Entsprechend ist die Kirche mit zentralen Ereignissen im Leben Luthers verbunden. Zudem spielten sich hier auch die Konflikte innerhalb der landesherrlichen Familie, der Grafen von Mansfeld, ab, die zum Teil evangelisch wurden, zum Teil katholisch blieben. Luther war in die Streitigkeiten als Berater involviert und erreichte die Organisation evangelischer und katholischer Gottesdienste zu unterschiedlichen Tageszeiten. Auch St. Andreas wurde noch zu Luthers Lebzeiten zu einem Memorialort der Protestanten und ist es bis heute.

Kontakt

Kirchengemeinde St. Andreas-Nicolai-Petri
Andreaskirchplatz 11
06295 Lutherstadt Eisleben

Tel. +49(0)375-602229
ev_pfarramt_anp_lu_eisleben@web.de
www.kirche-in-eisleben.de