Kirche und Kloster St. Annen, Lutherstadt Eisleben

Ort

Auf einer Anhöhe im westlichen Teil der Lutherstadt Eisleben gelegen, stellt das Ensemble aus Kirche und Kloster noch heute ein charakteristisches Merkmal der Stadtsilhouette dar. Die Kirche St. Annen und das von Martin Luther 1515 gegründete Augustiner-Eremitenkloster mit dem Pfarrhaus bilden ein bedeutendes kunsthistorisches und reformationsgeschichtliches Ensemble. In der Kirche St. Annen predigte Kaspar Güttel, ein enger Vertrauter Luthers und einer der wichtigsten Reformatoren des Mansfelder Landes. Nach Auflösung des Klosters wurde die Kirche die erste evangelische Kirche im Mansfelder Land.

Die der Bergbauheiligen Anna geweihten Kirche wurde zwischen 1513 und 1590 als flachgedeckte Saalkirche mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Ostchor errichtet. Das äußere Erscheinungsbild ist durch wesentliche Merkmale der Spätgotik gekennzeichnet. Die Klosterkirche St. Annen besitzt einen der schönsten Kircheninnenräume der Renaissance in Deutschland. An das Langhaus der St.-Annen-Kirche schließt sich südseitig im rechten Winkel das Augustiner-Eremitenkloster an. Das Klausurgebäude besitzt insgesamt eine bemerkenswerte Ausstattung aus dem 16. und 17. Jahrhundert, welche die hohe Bedeutung des Klosters für die Reformationszeit und die unmittelbare Folgezeit verdeutlicht.

Die Kirche diente als Grablege der Grafen von Mansfeld-Hinterort, die zu den Verfechtern der reformatorischen Lehre gehörten, und birgt zahlreiche Epitaphien, Totenschilde und Sarkophage von Mitgliedern der Familie. Einzigartige Zeugnisse der Reformationsgeschichte sind die klosterzeitlichen Mönchszellen in den Zwerchhäusern.

Geschichte

Mit dem Aufschwung des Kupferbergbaus siedelten sich immer mehr Bergleute in der neu gegründeten Eisleber Neustadt an. Seit 1511 plante Graf Albrecht IV. (VII.) von Mansfeld den Bau einer Kirche und die Gründung eines Klosters zu deren geistlicher Versorgung. 1514 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt; am 13. Januar 1516 wurde der Chorraum durch den Erzbischof Albrecht von Magdeburg und Mainz geweiht. Danach ruhte der Bau ca. 70 Jahre. Diese Zäsur ist nicht nur auf die Auflösung des Klosters 1523, sondern auf den Bauernkrieg 1525, den Schmalkaldischen Krieg 1546/47 sowie auf zurückgehende Einnahmen aus dem Bergbau zurückzuführen.

1515 trat Graf Albrecht IV. über die Gründung des Klosters in Verhandlungen mit dem Augustinerorden ein. Vertreten wurde der Orden durch Martin Luther und seinen geistlichen Mentor Johann Staupitz. Martin Luther hatte zu dieser Zeit das hohe Amt des Distriktsvikars inne. Ihm oblag die Leitung der Klöster im Raum Sachsen-Thüringen. Auf Empfehlung des Generalvikars Staupitz wurde der Magister und Prediger Kaspar Güttel statt nach München als Prior des Klosters St. Annen in die Eisleber Neustadt berufen. Die Gründung des Eisleber St.-Annen-Klosters durch Martin Luther fand am 15. Juli 1515 statt.

Bedingt durch die Reformation wurde das Kloster 1523 von den meisten Mönchen verlassen und damit die Bautätigkeit eingestellt. Gräfin Margareta von Mansfeld veranlasste den Weiterbau der Kirche, der mit Unterbrechungen von 1585–1608 erfolgte. Seit dem 19. Jahrhundert fanden zahlreiche Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten statt, zuletzt 2012 (Kirche) und 2013-2015 (Kloster).

Bedeutung

Das 1515 gegründete Kloster St. Annen mit der Klosterkirche ist ein heraus ragendes bauliches Zeugnis für das architektonische Milieu der Reformation: Neben dem Lutherhaus, dem „Schwarzen Kloster“, in Wittenberg ist es das einzige Zeugnis der Augustiner-Eremiten im spätmittelalterlichen Mitteldeutschland; nur hier haben sich Mönchszellen aus der Lutherzeit erhalten. Der Innenraum der Klosterkirche gehört zu den schönsten renaissancezeitlichen Kircheninnenräumen in Deutschland.

Nicht zuletzt führten die behutsame Nachnutzung der Anlage und Restaurierung vor dem Hintergrund ihrer reformationsgeschichtlichen Bedeutung dazu, dass die Mönchszellen erhalten blieben und heute ein bedeutendes Zeugnis des architektonischen und sozialen Milieus der Reformation bilden.

Das Kloster war ein Ausgangspunkt der Reformation im Mansfelder Land und wichtige Station im Leben Luthers: Zusammen mit Johann von Staupitz verhandelte er mit dem Grafen Albrecht IV. von Mansfeld die Gründung des Klosters, die schließlich 1515 vonstatten ging. 1516 feierte Martin Luther hier das Fronleichnamsfest mit einer Prozession, das zu einem theologischen Schlüsselerlebnis hinsichtlich seiner Zweifel am gnädigen Gott und entsprechend Katalysator für sein reformatorisches Wirken werden sollte. Die Rolle, die Luther für die Geschichte des Klosters spielte, blieb im kollektiven Gedächtnis stets präsent.

Kontakt

Kirchengemeinde St. Annen
Annenkirchplatz 2
06295 Lutherstadt Eisleben

Tel. +49(0)3475-604115
www.kirche-eisleben-stannen.de