Bugenhagenhaus, Lutherstadt Wittenberg

Ort

Durch den Einzug Johannes Bugenhagens, des ersten evangelischen Stadtpfarrers Wittenbergs, in das Anwesen an der Nordostecke des Kirchplatzes in unmittelbarer Nähe zur Stadtkirche St. Marien wurde das nach ihm benannte Haus zum frühesten, heute noch erhaltenen evangelischen Pfarrhaus. Bugenhagen gilt – neben Luther und Melanchthon – als ‚dritter Reformator‘ und genoss daher bereits bei seinen Zeitgenossen besondere Verehrung.

Das Gebäudeensemble gliedert sich in einen nördlichen Teil an der Ecke zur Jüdengasse, einen südlich daran anschließenden, mittleren Hausabschnitt und einen tief in den Hof reichenden Ostflügel. Östlich schließt sich ein großzügiger Hofbereich mit Garten an, der vom Kirchplatz aus durch das nördlich des Bugenhagensaals gelegene Portal bzw. über die Toreinfahrt von der Jüdengasse aus zu erreichen ist. Baulich hier erstmals klar fassbar und in der Folgezeit charakteristisch für evangelische Pfarrhäuser ist die klare Funktionsteilung einzelner Gebäudeteile: Die offiziellen Amtsräume des Stadtpfarrers (im Bugenhagenhaus seit frühester Zeit in den südlichen Räumen) sind klar getrennt von den Wohn- und Wirtschaftsräumen (im Bugenhagenhaus in den nördlichen Gebäudeteilen). Der Garten diente der Erholung des Pfarrers und seiner Familie.

Über 500 Jahre, bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, diente das Bugenhagenhaus als Pfarr- und Gemeindehaus der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und zugleich als Sitz der Superintendentur. In Fortführung seiner traditionellen Funktionen und Nutzung dient das Gebäude auch heute als Gemeinde- und Begegnungszentrum der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und ihrer Gäste, für Tagungen, Fortbildungen und religiöse bzw. kulturelle Veranstaltungen.

Geschichte

Errichtung und Ausbau des Bugenhagenhauses fallen in eine Zeit, in der der Kirchplatz systematisch mit neuen reformatorischen Einrichtungen besetzt wurde. Die baulichen Aktivitäten bezogen sich einerseits auf den Ausbau der Priesterhäuser zu ‚familientauglichen‘ Pfarrhäusern, andererseits auf die Ansiedelung von Schulen. In unmittelbarer Nähe der Kirche wurden Dienstwohnungen für nahezu alle Kirchen- und Schuldiener wie Kantoren, Küster und Schulmeister errichtet. Die kleinteilige Parzellenstruktur, die auf die vorreformatorischen Priesterhäuser verweist, blieb dabei weitgehend erhalten und wurde auch in den Breiten der Häuser aufgenommen, die um die Mitte des 16. Jahrhunderts entlang der Westseite des Kirchhofs entstanden.

Mit dem Bau des Pfarrhauses wurde spätestens 1521/22 begonnen. Nach umfangreichen Bauarbeiten erfolgte 1534 der Anstrich der Außenhaut des Pfarrhauses, und auch danach geschahen noch verschiedene Ein- und Umbauarbeiten, die sich in erster Linie auf die Struktur des Gebäudes und insbesondere seine Raumaufteilung bezogen. Zuletzt fand 2003-2007 eine Restaurierungskampagne statt, die in erster Linie dem Zweck diente, die historische Konstruktion möglichst authentisch wiederherzustellen.

Bedeutung

Das Bugenhagenhaus ist das erste erhaltene evangelische Pfarrhaus der Welt. Es ist engstens mit der Biografie Johannes Bugenhagens verbunden, der hier in seiner Funktion als Pfarrer der Marienkirche wohnte und wirkte. Für den Protestantismus ist das Pfarrhaus mindestens so wichtig wie das Kirchengebäude. Bis heute ist es nie nur Wohnhaus des Pastors, sondern immer auch Kommunikationsort und Ort der Seelsorge für die Gemeinde.

In seiner baulichen Struktur – und hier insbesondere in seiner Unterteilung in öffentliche und private Wohnbereiche – bezeugt es eindrücklich das soziale und architektonische Milieu der Reformation: Baulich wird hier der halböffentliche Charakter der Pfarrhäuser, der bis heute charakteristisch für diesen Gebäudetypus ist, fassbar.

Seit 500 Jahren wird das Bugenhagenhaus unverändert als Pfarr- und Gemeindezentrum weitergenutzt, worin sich ein über die Jahrhunderte beständig andauerndes Bewusstsein um die Bedeutung und Rolle des Baus spiegelt.

Kontakt

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Büro der Stadtkirchengemeinde
Jüdenstraße 36
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