Augustinerkloster, Erfurt

Ort

Das Erfurter Augustinerkloster ist jener Ort, wo Martin Luther sein der Theologie gewidmetes Leben begann. Es verkörpert daher gewissermaßen die Keimzelle der Reformation. Das bauliche Ensemble ist im Wesentlichen in seiner mittelalterlichen Gestalt, wie Luther sie erlebt hat, bis heute erhalten. Die herausragende Bedeutung des Klosters als Memorialstätte manifestiert sich in der bereits zur Zeit der Reformation einsetzenden Wertschätzung der Zelle Martin Luthers als authentischem Ort seines Wirkens. Die zahlreichen Umbauten erfolgten stets unter der Respektierung des Ortes als Ereignis- und Memorialstätte der Reformation.

Die Anlage des mittelalterlichen, über 700 Jahre alten Mönchsklosters nimmt ein Areal von fast einem Hektar Größe in der nördlichen Erfurter Altstadt, zwischen der Augustinerstraße im Norden, der Kirchgasse im Osten, der Comthurgasse im Süden und dem früheren Hof des Deutschen Ordens, heute ein Wohnviertel, im Westen ein. Der von einer Mauer umschlossene Baukomplex entspricht dem Idealtyp eines mittelalterlichen Klosters mit einer von West nach Ost ausgerichteten mehrschiffigen Klosterkirche und der südlich anschließenden Klausur sowie weiteren Gebäuden und Höfen.

Das Innere des Obergeschosses, einst Dormitorium, wurde nach einem Brand 1872 in Anlehnung an den historischen Bestand neu erbaut und ist heute Domizil der 1646 im Augustinerkloster begründeten Bibliothek des Evangelischen Ministeriums mit ihrem bedeutenden historischen Buchbestand. Die Verehrung der ebenfalls hier gelegenen letzten Zelle Martin Luthers als Memorialort begann wohl schon nach seinem Tod und wurde 1651 erstmals schriftlich bezeugt. Diesen beim Brand 1872 ebenfalls verlorenen Raum hat man beim Wiederaufbau des Gebäudes historisierend nachgestaltet, was die Kontinuität der Luther-Memoria eindrücklich belegt.

Geschichte

Das seit dem Eintritt Luthers 1505 eng mit der Reformation verbundene Augustinerkloster wurde im 13. und 14. Jahrhundert errichtet. Martin Luther trat im Juli 1505 im Alter von 21 Jahren in das Kloster ein und war zuerst als Novize, seit seiner Weihe 1507 als Priestermönch Mitglied des Erfurter Augustinerkonventes – bis zu seinem endgültigen Weggang 1511 nach Wittenberg. Danach besuchte er das Kloster mehrfach als zuständiger Disktriktsvikar des Ordens. 1521 hielt er auf dem Weg zum Wormser Reichstag eine als historisch angesehene Predigt gegen das Papsttum in der überfüllten Klosterkirche.

Mit der Durchsetzung der Reformation in Erfurt wurde die Augustinerkirche ab 1525 dem Kloster entzogen und als evangelische Gemeindekirche genutzt. Die Klosteranlage hat der Stadtrat dann 1556 nach dem Tod des letzten Mönchs in Besitz genommen. Ab diesem Zeitpunkt werden die Klostergebäude auch vom Evangelischen Ministerium, dem Kollegium der evangelischen Pfarrer Erfurts, als Versammlungsort und damit lokales Zentrum der lutherischen Kirche genutzt. 1561 entsprach der Stadtrat mit der Gründung eines Gymnasiums im Augustinerkloster der Aufforderung Luthers in seiner „Ratsherrenschrift“ von 1524 zur Gründung von Schulen und Bibliotheken. Damit beginnt die bis heute ungebrochene Tradition von Bildungs- und Sozialeinrichtungen in „Luthers Kloster“, die über verschiedene Bau-, Restaurierungs- und Nutzungsphasen bis zu seiner heutigen Nutzung als Kultur- und Bildungseinrichtung führt.

Bedeutung

Das Augustinerkloster ist ein zentrales materielles Zeugnis des spirituellen und architektonischen Milieus der Reformation und im Besonderen der Lebenswelt, die der Biografie Luthers ihre spezifische Prägung verlieh: Das bauliche Ensemble ist im Wesentlichen in seiner mittelalterlichen Gestalt, wie Luther sie erlebte, erhalten; hier begann Martin Luther 1505 als Novize sein der Theologie gewidmetes Leben. Das Kloster gilt als ‚Keimzelle der Reformation‘.

Das Erfurter Augustinerkloster war ein wichtiger Ausgangspunkt des reformatorischen Denkens. Hier lebte Martin Luther von 1505 bis 1511; entsprechend ist das Kloster eine der zentralen ‚Lebensstationen Luthers‘. Auf Beschluss des Erfurter Augustiner-Eremiten-Konventes studierte er ab 1507 Theologie. Am 2. Mai 1507 las Martin Luther in der Augustinerkirche seine erste Messe, nachdem er am 3. April 1507 im Erfurter Dom zum Priester geweiht worden war. In Erfurt erfolgte zudem nicht nur eine sehr frühe Thesenverbreitung durch Johannes Lang, sondern der Rat der Stadt Erfurt schloss sich auch bereits 1521/22 Luthers reformatorischen Überzeugungen an. Dies lässt viele Theologen und Historiker vom Augustinerkloster als der ‚Wiege der Reformation‘ sprechen. Auf dem Weg zum Reichstag nach Worms proklamierte der Reformator Martin Luther in seiner historischen Predigt am 7. April 1521 in der Augustinerkirche seine theologische Kritik an Kirche und Papsttum. Luthers letzte Zelle im Kloster wurde schon früh, spätestens ab 1563, Memorialort für sein Wirken. Wohl bereits 1669 erhielt sie eine ‚museale‘ Ausstattung, die jedoch einem Brand 1872 zum Opfer fiel. Die Zelle dient bis heute als Memorialraum. In der Tradition von Luthers Wirken steht auch die Nutzung des Klosters durch Bildungs- und Sozialeinrichtungen seit der Gründung eines Gymnasiums 1561 bis zum heutigen Tag.

Kontakt

Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt
Augustinerstraße 10
99084 Erfurt

www.augustinerkloster.de